St. Felizitas (Stiftskirche)

Die Geschichte der Stiftskirche ist eng mit der Stadtgeschichte von Vreden verbunden. Nach der Überlieferung gründete ein sächsischer Graf Walbert zu Beginn des 9. Jahrhunderts das hochadelige Damenstift Vreden, das bis 1810 bestand. Um das Stift entstand eine Siedlung, die dann die Keimzelle der heutigen Stadt wurde. Vermutlich bestanden seit der Gründung des Stiftes zwei Kirchen nebeneinander: Eine für die Stiftsdamen und eine Pfarrkirche für die Bevölkerung.

 

Am 21. März 1945 wurden beide Kirchen bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Die barocke Ausstattung und die Ausmalung der Stiftskirche gingen dabei verloren. Von 1947-1952 wurde die Stiftskirche wieder aufgebaut, dabei orientierte man sich an der historischen Form (eine frühromanische Kirche mit gotischen Elementen).

 

 

Die Hl. Felicitas als Kirchenpatronin:

Graf Walbert stellte seine Klosterstiftung unter den Schutz der Hl. Felicitas. Sie lebte im 2. Jh., entstammte dem römischen Adel und tat viel Gutes. Ihr guter Ruf erregte den Neid von heidnischen Priestern, die sie vor dem Kaiser Antoninus Pius verklagten. Selbst nach Verhören und Misshandlungen durch den Kaiser und mehrere Richter blieben Felicitas und ihre sieben Söhne dem Glauben treu und wurden dann im Jahr 162 n. Chr. in Rom hingerichtet. Der Bericht über die Überführung der Reliquien der Hl. Felicitas nach Vreden im Jahr 839 ist die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. Eine zeitgenössische Skulptur von ihr steht heute vor der Stiftskirche.

 

 

Über dem Altar hängt heute der schmiedeeiserne und vergoldete Radleuchter aus dem Jahr 1489, der ursprünglich zur Ausstattung benachbarten Pfarrkirche gehörte. Er stellt die Vision des Himmlischen Jerusalem aus dem letzten Buch der Bibel dar (Off 21): Gottes Stadt mit Türmen und Wällen, die von 12 Toren unterbrochen werden, mit den 12 Aposteln als Grundsteinen. Der dreifache Kronreifen und der dreieckige Aufbau im obersten

 

Kronreifen verweisen auf die Dreifaltigkeit Gottes. Zentrum des Leuchters ist die Darstellung der Gottesmutter Maria als Frau aus der Apokalypse (Off 12,1). So verweist der Leuchter auf die ewige Heimat bei Gott, die die Gläubigen erwartet.

 

Sehenswert ist außerdem die Krypta, die zu Anfang des 11. Jh. entstand. Die Säulen mit ihren Ornamenten und Masken stammen aus dieser Zeit. Hinten in der Stiftskirche befinden sich noch Grabdenkmäler der Vredener Äbtissinnen (u.a. das prunkvolle Denkmal der Gräfin Maria Franziska von Manderscheid - Blankenheim ,Äbtissin von 1674 – 1708).

 

Berühmt ist auch das Vredener Hungertuch (5m x 5m), das 1619 von der Äbtissin Agnes gestiftet wurde. Es zeigt in mehreren Szenen das Leben Jesu in den Tagen der Karwoche– beginnend mit dem Letzten Abendmahl am Gründonnerstag (li. oben) über die Stationen der Passion am Karfreitag bis zur Auferstehung in der Osternacht (re. unten). Neben vielen Adelswappen sieht man dann oben noch die Symbole der vier Evangelisten.

 

Viele Teile des Kirchenschatzes des Stifts (Liturgische Geräte, Bücher, Gewänder, Skulpturen...) können im benachbarten Hamalandmuseum besichtigt werden.