St. Antonius Abt / Ammeloe

Die neogotische Kirche der heutigen Zeit hatte zwei Vorgänger: die erste Kapelle aus dem Jahre 1369 und die zweite von 1444. Um die Kapelle lag ein Kinderfriedhof, den 18 Stiftshöfe aus Ammeloe und sieben aus Wennewick bei der Äbtissin des Stiftes Vreden beantragt hatten, und dieser wiederum war umgeben von Speicherhäusern der 25 Abteibauern.
Dieser Ammeloer Kring war eigentlich ein Viereck, um das sich im Laufe der Zeit ein weiterer Siedlungsring legte. Die meisten zugehörigen Höfe – sie liegen verstreut in den beiden großen Bauerschaften – sind wesentlich älter als die erste Kapelle. Von den vier Kirchdörfern in Vreden ist die Dorfentwicklung in Ammeloe am deutlichsten ausgeprägt.
 
Friedhöfe im Zentrum der Ortschaften umgaben vor 1800 jede Pfarrkirche. Die Gläubigen gingen über den Friedhof zur Kirche. Die enge Gemeinschaft von streitender und triumphierender Kirche war eine stete Erinnerung an den Tod und die Ewigkeit. Seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. vermied man zunehmend die Bestattung innerhalb der Ortschaften, vor allem wegen der Gefahr der Verseuchung des Grundwassers. So entstand aus dem Karkhoff ein Kirchplatz. Die Mundart aber bezeichnet auch den vor den Stadttoren gelegenen Friedhof immer noch als Karkhoff.
 
Der Kirchenpatron
Die erste Kapelle in Ammeloe war dem heiligen Alexander geweiht. Dieser war einer der sieben Söhne der heiligen Felicitas, der Patronin der Stiftskirche in Vreden. Das geht aus der Urkunde der Äbtissin Helena von Schaumburg hervor, die im Jahre 1442 eine wöchentliche Messe in Ammeloe stiftete. Dieser Gottesdienst fand nicht am Sonntag, sondern am Freitag statt. So mussten die Bauern aus Ammeloe und Wennewick ihre Sonntagspflicht weiterhin in der Pfarrkirche in Vreden erfüllen. In einer Urkunde von 1468 dagegen wird der heilige Antonius Abt als Patron der Kapelle genannt. 1471 wird diese Kapelle mit einer Glocke zu Ehren des heiligen Antonius und mit einem Antoniusbild ausgestattet.
 
 
 
Die Altäre
Der jüngste Altar der Kirche ist der Zelebrationsaltar, eine Folge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Um die Mahlgemeinschaft der Eucharistie zu betonen feiert der Priester seither die Heilige Messe versus populum, d. h. der Gemeinde zugewandt.
Der Hauptaltar ist nach der Weiheurkunde am 21.11.1860 durch Johann Georg Müller, Bischof von Münster „zu Ehren des heiligen Antonius Abbas konsekriert“ worden.Im Jahre 1895 verpflichtete sich der Kunstschreiner Vennekötter aus Everswinkel zwei Seitenaltäre zu liefern. Es handelte sich dabei um einen Marien- und einen Josefsaltar.Beide Altäre wurden nach der 600-Jahrfeier 1969 der orthodoxen Kirche Horneburg bei Datteln geschenkt.
 
Der Taufstein
Der Taufstein gehört zur Ausstattung der neogotischen Kirche und wird wohl in den neunziger Jahren gleichzeitig mit den Altarretabeln, der Orgel und dem Chorgestühl entstanden sein.
Der kelchförmige und rot, grün und steinfarben gefasste Taufstein besteht aus ibbenbürener Sandstein und ist mit einem hölzernen Deckel versehen. Der Schaft ist mit gotischem Maßwerk, das achteckige Becken mit einem Fries aus Vierpassen dekoriert.
 
Die Ausstattung der alten Kapelle
Ludorff erwähnte im Jahre 1900 nur drei „Denkmäler“ in der Filialkirche Ammeloe: Anna Selbdritt (gotisch, H 96), die heute noch in der Kirche steht. 2. zwei gotische Scheibenleuchter, und 3. eine Wappenplatte mit der Jahreszahl 1444 in gotischen Minuskeln (38 x 93). Die Scheibenleuchter wurden vor einigen Jahren auf dem Boden über dem Hühnerstall am alten Schwesternhaus wieder gefunden und kamen in die Paramentenkammer des Hamaland-Museums. Ungewiss ist dagegen der Verbleib des Inschriftsteins der zweiten Ammeloer Kapelle, der nach Tenhagen das gräfliche Wappen der Äbtissin Helena von Schaumburg (1404-1466) trug und über der Seitentür eingemauert war. Schon Tenhagen bedauerte, dass er nicht in den neogotischen Bau eingefügt wurde. Leider hat Ludorff diesen heute verschollenen Stein nicht abgebildet.
Aus dem Jahre 1567 existiert ein Inventar der Ammeloer Kapelle, das bei Tenhagen abgedruckt ist. Das Verzeichnis wurde nach dem Tode des Künstlers Hinrich ther Woert aufgestellt, der für das Inventar verantwortlich war. Bemerkenswert ist, das hier ein Hungertuch und eine Krippe aufgeführt werden. Nach Krins und Sauermann ist dies der früheste Nachweis einer Krippe im Münsterland .Die beiden älteren Plastiken des Kirchenpatrons und der Anna Selbdritt, die um 1500 am Niederrhein geschnitzt wurden, werden in diesem Verzeichnis erstaunlicher Weise nicht genannt. Vielleicht sind sie erst später nach Ammeloe gekommen. Ein Bild des Kirchenpatrons und eine Glocke, die im Inventar von 1557 ebenfalls nicht aufgeführt sind, werden aber bereits in einer Urkunde von 1471 erwähnt. Durch ein richterliches Dokument von 1670 wissen wir außerdem von einer Turmuhr, die wenige Jahre zuvor gekauft worden war.
Leider befinden sich eine Reihe von Ausstattungsgegenständen der Kapelle von 1444 nicht mehr in der neogotischen Kirche. Ein Messgewand aus dem 18. Jahrhundert wird im Heimathaus Noldes aufbewahrt: die kupfervergoldete Monstranz von 1707, eine Monstranzhaube und ein Antependium aus blauem Brokat, die Scheibenleuchter des 16. Jahrhunderts und die alte Glocke von 1682, gegossen von Mammes Fremy aus Amsterdam, kamen ins Hamaland-Museum. Der barocke Drehtabernakel aber, der jahrzehntelang auf dem  Hof Berning in Ammeloe als Segensaltar bei der Prozession gedient hatte, kam nach der Restaurierung 1993/94 als rechter Seitenaltar in die Kirche zurück. Auch die beiden Barockfiguren Petrus und Paulus, die bis zur Herstellung des Retabels 1895 die Marienfigur auf der Leuchterbank des entsprechenden Seitenaltars flankiert hatten, hängen nun zu beiden Seiten dieses barocken Tabernakels. Dass diese Arbeit ähnlich wie der Hochaltar der Stiftskirche von dem Vredener Altarmacher Elsbeck (gest. 1732) stammt, ist nicht  unmöglich, jedoch bisher nicht nachweisbar.
 
Anna Selbdritt
Diese abgelaugte Eichenholzplastik steht an der Stelle des linken Seitenaltars. Das Thema gehört zum Marienleben. Die Figur stellt die Mutter Anna, die Madonna und den Jesusknaben dar, drei Generationen einer Familie also, das Beispiel einer intakten Großfamilie. Da die Plastik im Kapelleninventar von 1567 nicht aufgeführt wird, ist sie möglicherweise erst infolge des Bildersturms in den Niederlanden nach Ammeloe gekommen – ähnlich wie vergleichbare Figuren in Vreden und Zwillbrock. Fachleute datieren sie ins 15. Jahrhundert und bezeichnen sie als niederrheinische Arbeit. Anna sitzt auf einem Thronsessel mit hoher Lehne. In der Linken hält sie ein offenes Buch, wendet sich aber dem Jesuskind zu und reicht ihm einen Apfel. Zu Füßen der Mutter Anna an der Linken Seite die gekrönte Jungfrau, die mit beiden Händen das Kind hält.